Seit 2025 ist die STS Oldenfelde offiziell als „Umweltschule in Europa / Internationale Nachhaltigkeitsschule“ ausgezeichnet. Das Siegel steht für Schulen, die nachhaltige Entwicklung nicht nur im Unterricht thematisieren, sondern Schritt für Schritt im gesamten Schulleben verankern. Das internationale Programm wird von der Foundation for Environmental Education (FEE) getragen und in Deutschland durch die Deutsche Gesellschaft für Umwelterziehung (DGU) begleitet. In Hamburg koordiniert das Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung (LI) die Betreuung und Auszeichnung der Schulen.
Voraussetzung für die Auszeichnung ist die Arbeit an konkreten Nachhaltigkeitsprojekten unter Beteiligung der Schulgemeinschaft. Ziel ist es, Umweltbewusstsein, Verantwortung und nachhaltiges Handeln langfristig im Schulalltag zu verankern – nicht als kurzfristige Aktion, sondern als dauerhafter Entwicklungsprozess. Für die STS Oldenfelde bedeutet das: Nachhaltigkeit praktisch denken, gemeinsam gestalten und Schule als Lernort für Zukunftsfragen weiterentwickeln.
Weiterführende Informationen:
https://www.umwelterziehung.de/projekte/umweltschule-in-europa/
https://li.hamburg.de/qualitaetsentwicklung-von-unterricht-und-schule/aufgabengebiete-und-querschnittsthemen/umwelterziehung/umweltschule-659768
Kooperationspartner
Naturschutzgebiet Höltigbaum & das Haus der Wilden Weiden
Direkt vor unserer Haustür liegt mit dem Höltigbaum eines der spannendsten Naturschutzgebiete Hamburgs. Die halboffene, hügelige Landschaft mit ihren Magerrasen, Feuchtbereichen und dem eiszeitlich geprägten Tunneltal bietet Lebensraum für zahlreiche spezialisierte Tier- und Pflanzenarten – darunter auch seltene Arten wie den Neuntöter, der Moorfrosch oder das Bachneunauge. Gleichzeitig lassen sich hier bis heute Formen alter Waldbewirtschaftung erkennen (Krattwälder) sowie besondere geologische Strukturen der letzten Eiszeit erkunden, etwa Sanderflächen, Oser, Drumlins und natürlich das Tunneltal selbst.
Gemeinsam mit dem „Haus der Wilden Weiden“ (Stiftung Natur im Norden) arbeiten wir im Rahmen einer Kooperation regelmäßig im Gebiet mit. Zweimal im Jahr unterstützen Schüler*innen tatkräftig Pflegeeinsätze vor Ort – zum Beispiel beim Zurückdrängen von Adlerfarn, Lupinen oder Jakobskreuzkraut. Diese Arbeiten verbinden praktischen Naturschutz mit direktem Lernen im Gelände. Dabei wird schnell deutlich: Naturschutz bedeutet nicht immer, „die Natur einfach machen zu lassen“. Viele wertvolle Lebensräume müssen aktiv gepflegt werden, damit sie erhalten bleiben. Genau dieses Verständnis möchten wir vermitteln.
Unsere Schüler*innen lernen den Höltigbaum deshalb nicht nur als Ausflugsziel vor der Schultür kennen, sondern als empfindlichen Naturraum mit hoher ökologischer Bedeutung. Besonders im Biologie-WP-Kurs „Unser Planet unter Druck“ (Jg. 9+10) beschäftigen wir uns mit der Frage, warum Naturschutzgebiete Schutzräume und nicht einfach Naherholungsflächen sind – und warum Nutzung, Rücksichtnahme und Schutz immer wieder neu austariert werden müssen. Ergänzt wird die Zusammenarbeit durch Exkursionen, Geländeerkundungen, Müllsammelaktionen und unsere Teilnahme am Schafschurfest, bei dem wir regelmäßig mit Mitmachangeboten vertreten sind.
Die Kooperation mit dem Höltigbaum verbindet damit ökologische Bildung, praktischen Naturschutz und die Auseinandersetzung mit dem eigenen Stadtteil. Unsere Schüler*innen erleben, dass globale Fragen des Natur- und Klimaschutzes nicht abstrakt bleiben müssen, sondern auch ganz konkret dort sichtbar werden, wo wir selbst leben – unweit der Schule zwischen Oldenfelde, Meiendorf, Rahlstedt und Stapelfeld. Der Höltigbaum wird so als Teil des eigenen Lebensraums erfahrbar: als besondere Natur- und Kulturlandschaft, die Schutz, Pflege und Aufmerksamkeit braucht, damit sie auch in Zukunft erhalten bleibt.
Weiterführende Informationen:
Stiftung Natur im Norden: https://www.nano-stiftung.de/
Haus der Wilden Weiden: https://www.hoeltigbaum.de/
NSG Höltigbaum: https://www.hamburg.de/politik-und-verwaltung/behoerden/bukea/themen/naturschutz/naturschutzgebiete/nsg-hoeltigbaum-173420
Handlungsfelder & Projekte
2023-2025:
Unser Schulgelände – ein Lebensraum für wildlebende Tiere in der Stadt
Mitten in der Stadt entsteht auf unserem Schulgelände Schritt für Schritt ein vielfältiger Lebensraum für Tiere und Pflanzen. Seit 2018 entwickeln wir unseren Schulhofgarten kontinuierlich und jedes Jahr weiter – mit Wildblumenflächen, Nisthilfen, Totholzstrukturen, Steinhaufen, Wildstauden und vielen weiteren kleinen Strukturen, die neue Kleinstlebensräume schaffen und die Artenvielfalt fördern. Dabei geht es nicht nur ums „Schönermachen“ oder um Naturbildung im klassischen Sinne. Unser Ziel ist es, echte Lebensräume zu schaffen, die ökologisch wirksam sind. Und genau das lässt sich inzwischen beobachten: Die Artenvielfalt auf dem Schulgelände hat in den vergangenen Jahren nachweislich zugenommen.
Im Rahmen des Projekts versuchten Schüler*innen deshalb auch systematisch zu erfassen, was auf unserem Gelände lebt und wächst. Pflanzenbestände wurden sorgfältig bestimmt, besonders wertvolle „Superpflanzen“ identifiziert und Tierbeobachtungen dokumentiert. Mit Hilfe von Bestimmungs-Apps, Büchern und eigenen Beobachtungen entstand so Schritt für Schritt ein genaueres Bild davon, welche Säugetiere, Vögel, insbesondere aber Insekten (v.a. Wildbienen, wie z.B. die Gartenwollbiene) und andere Wirbellosen unsere Gartenflächen, Bäume und Wiesen zu Hause oder zu Gast sind.
Besonders wichtig ist uns, dass Natur auf unserem Schulgelände nicht abgesperrt ist. Die meisten Flächen sind Teil des Schulalltags – sichtbar, zugänglich und lebendig. So entstehen jeden Tag neue Begegnungen mit Natur: im Unterricht, in den Pausen oder einfach zufällig auf dem Weg über den Schulhof. Unser Schulgelände wird dadurch nicht nur zu einem Lernort, sondern zunehmend auch zu einem kleinen urbanen Rückzugsraum für Artenvielfalt mitten in Hamburg.
Mobilitätswoche – Alle auf die Fahrräder, Roller und ab zur Schule!
Wie bewegen wir uns eigentlich zur Schule – und wie könnte nachhaltige Mobilität in Hamburg in Zukunft aussehen? Mit diesen Fragen beschäftigte sich unsere Mobilitätswoche 2024. Eine Woche lang drehte sich an der STS Oldenfelde alles um Fahrrad, Roller, Bus, Bahn und die Frage, wie klimafreundliche Mobilität im Alltag wirklich funktionieren kann.
Je nach Jahrgang gab es unterschiedliche Aktionen: Fahrradtraining mit der Verkehrswacht und Sicherheitscheck mit der Polizei, Geschicklichkeitsparcours im Sportunterricht, HVV-Rallyes, Workshops mit dem ADFC und eine Wanderausstellung zur Mobilität der Zukunft.
Gleichzeitig untersuchten Schüler*innen das Mobilitätsverhalten unserer Schule: Wer kommt wie zur Schule? Wo fehlen Fahrradständer? Welche Wege sind gefährlich? Wie müsste der Verkehrsraum gestaltet sein, damit mehr Menschen klimafreundlich unterwegs sind?
Dabei blieb es nicht bei der Theorie. Schüler*innen analysierten konkrete Problemstellen rund um die Schule – etwa gefährliche Unterführungen, unübersichtliche Kreuzungen oder beschädigte Fahrradwege – und entwickelten Ideen, wie Mobilität in den äußeren Hamburger Stadtteilen sicherer, nachhaltiger und alltagstauglicher gestaltet werden könnte.
Die Mobilitätswoche verband Klimaschutz mit Alltagserfahrungen und Stadtentwicklung. Ziel war nicht, ein Verkehrsmittel „gut“ oder „schlecht“ zu machen, sondern Mobilität neu zu denken: sicherer, klimafreundlicher und lebenswerter – gerade auch außerhalb der Innenstadt.
2025-2027
Für ein gutes Schulleben gemeinsam gegen den Müll
Wie sauber eine Schule ist, entscheidet nicht nur der Hausmeisterservice – sondern die gesamte Schulgemeinschaft. Deshalb beschäftigen wir uns in unserem USE/INS-Projekt 2025–2027 intensiv mit Müllvermeidung, Mülltrennung und der Frage, wie Verantwortung im Alltag in einem saubereren Schulgelände sichtbar werden kann. Dabei geht es um weit mehr als „Aufräumen“: Schüler*innen untersuchen Müllmengen und Trennverhalten, entwickeln neue Ideen für ein sauberes Schulgelände – der Hofreinigungsdienst wurde neu organisiert – gestalten Aktionen wie Müllsammel-Challenges sowie kreative Ideen zur Gestaltung der Sammelbehälter auf dem Schulgelände. Gleichzeitig wollen wir zeigen, dass kleine Veränderungen im Alltag große Wirkung haben können – für unsere Schule, unseren Stadtteil und die Umwelt.
Gutes Leben braucht Wasser
Wasser ist mehr als eine Ressource. Wasser entscheidet darüber, wie lebenswert Orte sind, wie gesund Menschen leben können und wie Zukunft gestaltet wird. Genau dort setzt unser USE/INS-Projekt „Gutes Leben braucht Wasser“ an. Ausgehend vom Jahresthema „Das gute Leben für alle – eine nachhaltige Schulkultur“ beschäftigen wir uns mit der Frage, wie verantwortungsvoller Umgang mit Wasser und öffentlichem Raum mit Lebensqualität, Gerechtigkeit und Teilhabe zusammenhängt – weltweit genauso wie direkt vor unserer Schultür. Wasser dient dabei als Linse, durch die Fragen eines guten und nachhaltigen Zusammenlebens sichtbar und diskutierbar werden.
Im Schulalltag wird das konkret: Schüler*innen untersuchen den eigenen Wasserverbrauch, bauen Regenwasserbewässerungssysteme für den Schulhofgarten, gestalten ein Mini-Moor im Trog für das Schulgelände und beschäftigen sich mit der Frage, wie Städte wie Hamburg auf Hitze, Starkregen und Trockenheit reagieren müssen. Das Mini-Moor und sein begleitendes Lernposter machen exemplarisch sichtbar, welche zentrale Rolle Moore für Klima, Wasserhaushalt und Artenvielfalt spielen. Als natürliche Wasserspeicher, Kühlräume und CO₂-Senken zeigen sie, wie eng scheinbar kleine Landschaften mit den großen Fragen unserer Zukunft verbunden sind – und warum ihr Schutz, hier bei uns ebenso wie weltweit, eine gemeinsame Verantwortung ist.
Darüber hinaus setzen wir uns mit den Möglichkeiten und Grenzen des Entsiegelns von Schulhöfen – sowohl bestehender als auch neu geplanter Flächen – auseinander. Ideen des Schüler*innen-Klima- und Umweltrates zur Gestaltung der Neubauten und der Außenflächen versuchen wir dabei aktiv in den Bauausschuss einzubringen. Regenwasser stärker vor Ort zu speichern und versickern zu lassen – gerade in Zeiten zunehmender Wetterextreme – wäre aus unserer Sicht ein wichtiger Beitrag zu klimaangepassten Schulgeländen. Auf Grundlage unserer Vorschläge wird nun zumindest ein Regenwasserspeicher für den Schulhofgarten am Neubau integriert; außerdem sollen Randbereiche der neuen Wege mit Rasengittersteinen gestaltet werden. Ein kleiner Dachgarten wird entstehen, der zukünftig von den Schulhofgärtnern in Ergänzung zu bestehenden Flächen bewirtschaftet wird. Gleichzeitig erleben die Schüler*innen aber auch, wie komplex Planungs- und Entscheidungsprozesse im Schulbau sein können und dass nachhaltige Lösungen aus verschiedensten Gründen nicht immer vollständig umgesetzt werden können – selbst wenn sie aus Sicht des Klima- und Ressourcenschutzes sinnvoll erscheinen.
Besonders wichtig ist uns dabei die Verbindung von lokalem Handeln und globalem Lernen. Beim Spendenlauf zugunsten von Viva con Agua wird sichtbar, dass der Zugang zu sauberem Wasser weltweit eng mit Gesundheit, Bildungschancen und sozialer Gerechtigkeit verbunden ist. Gleichzeitig zeigt die geplante Straßeninselpatenschaft, dass ökologisches Handeln vor dem Schultor auch den eigenen Stadtteil lebenswerter machen kann.
Auch unser Schulhofgartenfest zum Langen Tag der Stadtnatur, zu dem wir unsere Schulgemeinschaft und Menschen aus dem Stadtteil einladen, greift das Thema unter dem Motto „Alles fließt“ auf. Geplant und gestaltet wird es gemeinsam vom Schüler*innen-Klima- und Umweltrat, den Schulhofgärtnern und dem Schulverein – mit Flohmarkt, Kuchen und vielen Mitmachstationen und Experimenten rund um Wasser, Stadtnatur und nachhaltiges Leben in Hamburg. Nachhaltige Schulkultur bedeutet für uns dabei nicht nur gemeinsames Lernen, Planen und Organisieren, sondern auch gemeinsames Feiern, Begegnen und Verantwortung übernehmen – als Schulgemeinschaft und gemeinsam mit unserem Stadtteil.
Text und Fotos: T. Becker

